Tag der Städtebauförderung

Baustellenbegehung im Haus Nr. 3 des Oberen Schlosses zum Tag der Städtebauförderung findet großes Interesse


Greiz. Die Sicherung des ehemaligen Kavaliershauses im Oberen Schloss ist ein Millionenprojekt. Davon konnten sich die zahlreichen Besucher des Tages der Städtebauförderung am 9. Mai 2026 persönlich überzeugen. Die Stadtverwaltung hatte in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Oberes Schloss dazu eingeladen. Man wolle sichtbar machen, was Städtebauförderung leisten kann, betonte Bürgermeister Alexander Schulze in seiner Eröffnungsrede im Café an der Zentaeiche.

„Mein besonderer Dank gilt dem Förderverein Oberes Schloss e.V., der diese Veranstaltung gemeinsam mit der Stadt organisiert hat und sich seit vielen Jahren mit großem Engagement für den Erhalt dieses bedeutenden historischen Ensembles einsetzt“, so Schulze wörtlich. 

Währenddessen hatten die Mitglieder des Fördervereins die Kaffeetafel vorbereitet, um den Gästen bei herrlichem Maiwetter diesen Nachmittag genießen zu lassen. Einige Frauen des Vereins hatten sich beim Backen ins Zeug gelegt und servierten Kuchen und Torten in toller Vielfalt.

Mit dem Stadtratsbeschluss 1993 zum Sanierungsgebiet „Greiz Altstadt“ waren die Weichen gestellt, um Fördermittel über die Städtebauförderung von Bund und Land zu bekommen. Seither sind 26,9 Millionen Euro in die Greizer Altstadtsanierung geflossen. Allein in das Obere Schloss wurden seit 1993 gut 21,5 Millionen Euro investiert. Weitere vier Millionen Euro sind im Unteren Schloss eingesetzt worden. Aktuell laufen die abschließenden Arbeiten zur Sicherung des Hauses Nummer 3 im Oberen Schloss, die mit rund einer Million Euro aus dem Städtebauförderprogramm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“  finanziert werden. Hanna Gottschald aus dem Architekturbüro Hamann erläuterte anschließend die sehr aufwändigen Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen für das Kavaliershaus. Aus den Plänen für den Bau unter Heinrich XI. wird schnell klar, das schon seinerzeit gespart wurde. Statt Massivbau und Mansarddach realisierte man Fachwerk mit einfachem Walmdach. 2024 wurde der marode Zustand des Baus gründlich unter die Lupe genommen. Durchfeuchtung, Putzabplatzungen, Spuren von Um- und Anbauten am gesamten Gebäude, über 10 Zentimeter Höhenunterschied von der oberen rechten zur unteren linken Ecke im Fußbodenniveau. In einem zugemauerten Bereich fanden sich ein Rauchfang und Spuren eines Schlachthauses sowie ein riesiger Backofen im Erdgeschoss. Hanna Gottschald zählt unter anderem großflächige Reparaturen am Dachstuhl, den Austausch des kompletten Schieferdaches, die Stabilisierung einer unzureichend gegründeten Gebäudeecke oder den fast kompletten Austausch der Balkenköpfe an der Nordfassade auf. Nicht nur die Fußböden im Erdgeschoss, sondern nachträgliche Ein- und Umbauten wurden entfernt. Ein Stahlträgerrost ermöglicht künftig einen größeren Raum im Erdgeschoss. Momentan wird noch an der Drainage gearbeitet. 

In kleinen Gruppen starteten anschließend die Führungen durch das Gebäude.

Für die jüngsten Gäste zauberte Sandra Kolbe mit ihrer Glitzermagie coole Tattoos.

Zu einer Führung durch das Stadtarchiv lud Loreen Hetzheim ein.

Einer Zukunftsfrage widmete sich Katja Sadowski vom Greizer Bauamt an ihrem Stand: Sie fragte die Greizer und ihre Gäste, welche Nutzung sie sich für das einstige Kavaliershaus vorstellen können.

„Wir wollen ein Gesamtkonzept entwickeln, das Schritt für Schritt machbar ist“, unterstreicht die junge Bauexpertin.

Die Ausflügler ließen sich nicht lange bitten – „früher Kavaliershaus, heute vielleicht ein Gästehaus – Übernachten bei den Reußen“, überlegt ein Besucher, während ein Schüler mit Oma und Opa vorschlägt, historisches und aktuelles Handwerk, auch Kunsthandwerk lebendig zu präsentieren. Andere Vorschläge gehen auf Wohnen im Schloss, Gaststätte oder Jugendherberge – ein Mix der Möglichkeiten, den Frau Sadowski in ihrer Koffer-Box mit ins Amt nimmt. Die Diskussion um die Nutzung von Haus 3 ist somit eröffnet.

Text und Bild (1 – 5): Katrin Schulze

Bild 6 (Bauskizze): Silke Groß

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