Heinrich XI. fuhr zum Shoppen auf die Leipziger Messe
Dr. Ulf Häder erforschte die privaten Chatoull-Rechnungen des Fürsten aus dem 18. Jahrhundert
1. Schlossgespräch 2026 mit seltenen Einblicken
Greiz
Heinrich XI. Reuß liebte teure Garderobe und Lavendelwasser, fuhr gern zum Shoppen zur Leipziger Messe, kurte in Karlsbad, liebte die Lotterie und trug mit Vorliebe Zipfelmützen zum Schlafen. Woher wir das wissen?
Dr. Ulf Häder, Direktor des Sommerpalais, forschte in den privaten Chatoull-Rechnungen des Fürsten aus dem 18. Jahrhundert, die einen seltenen Einblick in Persönliches zulassen.
Erkenntnisse, die der studierte Historiker, Kunsthistoriker und Germanist gern mit den Zuhörern des ersten Greizer Schlossgespräches dieses Jahres am 19. März im Café an der Zentaeiche teilte.
Ulrich Jugel, Vorsitzender des Fördervereins Oberes Schloss, begrüßte Dr. Häder und das Publikum, zu dem an diesem Abend auch Museumsdirektor Roland Koch gehörte, sehr herzlich.
„Heinrich XI. – Ein gläserner Kunde?“ hatte Dr. Häder seinen Vortrag betitelt. Und es gelang ihm durchaus, auf vielseitige Aspekte hinzuweisen, die sich aus der privaten Buchführung des Fürsten ergeben.
Von 1772 bis 1798 liegen die Chatoull-Rechnungen im Staatsarchiv vor, was der zweiten Hälfte der Herrschaftszeit und dem letzten Lebensdrittel Heinrich XI. entspricht.
Für seine private Schatulle hatte er durchschnittlich 2000 bis 4000 Taler im Jahr zur Verfügung, die er nur zwei Mal überzogen hat. Der fürstliche Haushalt und die Einnahmen aus den eigenen Gütern blieben hiervon unberührt.
Gut 40 Prozent der Ausgaben stehen für Heinrichs Garderobe, für Stoffe, Schneider, Putz und Schuhe zu Buche.
Fast 20 Prozent verschenkte er, gab manchen Taler für Geschenke, aber auch für mildtätige Zwecke aus.
Er liebte Kunst, vor allem Kupferstiche, was Dr. Häder zu der Vermutung veranlasst, dass Heinrich XI. wahrscheinlich der Begründer der hiesigen Kupferstichsammlung sei.
Auch eine Laterna Magica wurde angeschafft 1775. Man ging also mit der Zeit.
Was sich übrigens auch im Baustil zeigte: Während seiner Kavaliersreise hatte Heinrich XI. das Pantheon in Rom tief beeindruckt, sodass er 1787 mit der klassizistischen Rotunde im Greizer Park ein Zitat errichten ließ. Auch die prächtige Fontäne vor dem Sommerpalais diente der standesgemäßen Hofhaltung. Viel Geld haben die Reisen des Fürsten gekostet. Für einen Kuraufenthalt in Karlsbad – ein Standesprivileg des damaligen Adels – gab er allein 108 Taler aus.
Standesgemäß gehörten auch exotische und heimische Singvögel, prächtige Reitpferde und Hunde zur Ausstattung des Landesherrn.
Für einen Kakadu gab er 1780 teure 55 Taler aus seiner privaten Schatulle.
Zum Vergleich: Ein Tagelöhner verdiente 21 Groschen in der Woche. Ein Taler hatte 24 Groschen.
Für Lose der Zeulenrodaer, Köstritzer oder Dresdner Lotterie hatte Heinrich XI. ebenfalls immer Geld im Budget.
Neben einem hohen Bedarf an Lavendelparfüm, Handpomade aus süßen Mandeln, Limonaden sowie einer Schwäche für Weinbergschnecken in Knoblauchsoße fallen in der persönlichen Buchführung des Fürsten in den besagten Quellen jener Zeit zwei kostspielige Stücke besonders auf:
Eine goldene Tabaksdose aus Paris, die er 1785 für 572 Taler erworben hat. Und ein Brillantring für 137 Taler, den er 1773 an „die Brück“ verschenkte. „Die Brück“ ist eine bisher nicht näher bekannte Person, über die im Saal natürlich auch gerätselt wurde.
Ein schöner und interessanter Auftakt der Schlossgespräche 2026.
Katrin Schulz
Folien: Dr. Ulf Häder (2026), „Die Chatoull-Rechnungen Heinrich XI“, PP-Folien zum Vortrag am 19.03.2026 (alle Rechte)